Wer ein Instrument spielt, trainiert sein Gehör nicht nur für Musik, sondern auch für andere Töne, zum Beispiel die emotionalen Botschaften in der Sprache. Bisher wusste man aber nicht, wie genau ein Musiker-Gehirn das schafft. Eine Untersuchung der Universität Evanston im US-Bundesstaat Illinois kann das nun erklären.
Die Wissenschaftler haben nämlich untersucht, wie eine Gruppe von Menschen – die eine Hälfte Musiker, die andere Hälfte Nicht-Musiker – auf das Weinen eines Babys reagieren. Dabei war das Weinen nur eine Viertelsekunde kurz zu hören, während die Testpersonen einen Naturfilm mit Untertiteln ansahen. Mit Elektroden konnten die Wissenschaftler messen, dass die Musiker besonders auf die feinen akustischen Unterschiede in dem Baby-Weinen reagierten.
Daraus schließen die Wissenschaftler, dass das trainierte Gehör von Musikern nicht nur für komplexe Melodien, sondern auch für Stimmmuster geschult ist. Das bessere Verstehen von emotionalen Signalen in der Stimme ist also nicht angeboren, sondern wird erst durch die intensive Beschäftigung mit der Musik erworben. Diesen Effekt beobachteten die Wissenschaftler besonders bei Menschen, die schon in jungen Jahren mit dem Spielen eines Instruments begonnen hatten.
Die Wissenschaftler der Universität Evanston erhoffen sich, dass ihre Forschungsergebnisse der Behandlung von Kinder mit Autismus zugute kommen kann. Mit Musiktherapien könnte man ihnen beibringen, die Emotionen anderer Menschen besser zu verstehen.
Die Northwestern Universität Evanston im Internet: http://www.soc.northwestern.edu/brainvolts/
Das sind sicher interessante Forschungsergebnisse. Manche Studien legen zum Beispiel sogar die Vermutung nahe, daß Musiker „intelligenter“ seien als andere Menschen. Es gibt aber auch Untersuchungen, die einen solchen Effekt überhaupt nicht belegen konnten. – Wie auch immer.
Die Entscheidung, ein Instrument zu erlernen, sollte immer eine primäre Entscheidung sein und nicht Mittel zur Erreichung eines anderen Zieles.
Verfasst am 20. März 2009 um 7:28 in Musikpädagogik
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