Ein Interview aus der Serie
„Menschen, die Musik vermitteln”
Gelegentlich weisen wir in unseren TV-Tipps auf die „Young People’s Concerts“ von Leonard Bernstein hin. Nach dieser Fernsehserie ist in Deutschland eine Audio-CD mit dem Titel „Konzert für junge Leute“ entstanden. Die Texte dieser CD hat Elke Heidenreich gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Literaturkritikerin, Journalistin und Moderatorin. Bei diesen Berufen drückt sie sich immer mit Worten aus. Auf der CD “Konzert für junge Leute” erzählt sie aber mit herzlicher Hingabe über Musik. „Das stammt ja alles vom begeisternden Leonard Bernstein, der immer darum bemüht war, Kindern die Musik zu vermitteln”, sagte Elke Heidenreich im Gespräch mit der Internationalen Musikschule Berlin.
Das allein kann es aber nicht sein. So selbstverständlich und von innen heraus, wie sie auf der CD über Musik spricht, hat man den Eindruck, als sei das ihr eigentliches Fach. Tatsächlich ist Elke Heidenreich schon früh mit Musik in Berührung gekommen: „Zuerst über meine musikliebende Mutter, die Radio hörte, mitsang, erklärte. Dann über Schallplatten, und der erste Opernbesuch mit 13 Jahren hat mich für immer infiziert.” Als Kind hat Elke Heidenreich Akkordeon gespielt, heute Klavier. Ob sie gerne Musikerin geworden wäre? „Ja, sehr gern, aber das Talent reichte wohl nicht und ich habe auch zu spät darüber nachgedacht”, sagte sie.
Stattdessen hat sie sich dem Schreiben zugewandt. Zahlreiche Erzählungen, Kinderbücher und Reiseberichte hat sie verfasst. Mit ihren Buchbesprechungen im Rundfunk und später im Fernsehen wurde sie Deutschlands einflussreichste Literaturkritikerin.
Dennoch hat sie Freude an der Musik und teilt diese auch mit ihren Mitmenschen. Besonders wichtig ist es ihr, Kinder für die Musik zu begeistern. Zum Beispiel hat sie viele Jahre lang Libretti für die Kölner Kinderoper übersetzt, bearbeitet und eingerichtet. Und basierend auf ihrem Buch „Am Südpol, denkt man, ist es heiß“ hat sie sogar ein eigenes Libretto geschrieben: „Das Opernschiff“. „Die Kinderoper in Köln ist ein einmaliges und wunderbares Unternehmen”, schwärmt Elke Heidenreich. „Wir spielen Opern von Krenek, Strawinsky, Ravel, alles sehr hohe Qualität.” Zusammen mit dem Opernregisseur Christian Schuller hat sie Libretti übersetzt, gekürzt, für Kinder verständlich gemacht. „Die Musik ist immer original geblieben”, betont sie dabei. „Es ist wichtig”, sagt sie, „dass die Kunstform Oper auch in der Zukunft ein Publikum hat. Wir haben gute Erfahrungen gemacht, mehr als 2.000 ‘unserer’ Kinder haben später ein Abonnement für die ‘große’ Oper bestellt”, freut sie sich und hat beobachtet: “Junge Hörer gehen völlig unbefangen an die moderne Musik heran.”
Anfang der 80er Jahre hat Elke Heidenreich den Dirigenten, Pianisten, Komponisten und Musiklehrer Leonard Bernstein persönlich getroffen. Sie war „tief beeindruckt von seiner strahlenden Wärme und seinem Charisma. Ich wollte immer irgendwas machen, was mit ihm zu tun hat.” Sie hatte Bernsteins Buch zu seiner Serie „Young People’s Concerts” gelesen. Zusammen mit Christian Schuller, der damals Oberspielleiter der Kölner Oper war, hat sie sich alte Videoaufnahmen angesehen, auf denen Bernstein Kindern die Musik und die Instrumente erklärte. „Das wollten wir unter die Leute bringen. Also haben wir die Texte bearbeitet, uns Musiker dazugeholt und die CD gemacht”, erklärte uns Elke Heidenreich.
Könnte sie sich vorstellen, die Serie auch noch einmal auf die Konzertbühne oder ins Fernsehen zu bringen? „Ach, vorstellen kann ich mir das schon, aber man geht weiter, hat neue Ideen und Projekte”, sagte sie. Gerade hat sie drei Musikbücher in verschiedenen Verlagen herausgebracht: In „Das geheime Königreich“ erklärt sie mit Christian Schuller, wie die Kölner Kinderoper funktioniert. Für das Buch „Flieg, Gedanke“ ist sie zu Stationen im Leben von Giuseppe Verdi gereist (auf der dazugehörigen Audio-CD gibt es auch Musik von Verdi). Aufsätze zur Musik hat Elke Heidenreich in „Passione” gesammelt. Außerdem arbeitet sie seit einem Jahr als Herausgeberin einer Reihe mit Büchern zum Thema Musik. Ab September 2009 wird jeden Monat ein Band erscheinen. „Da lege ich z. B. Werfels Roman über Verdi neu auf oder bringe die Schriften von Hans Neuenfels zum Musiktheater heraus. Außerdem schreibe ich für den Komponisten Marc-Aurel Floros ein Libretto für eine große Oper“, hat sie uns schon verraten. „Es geht also immer weiter.”
In ihren Literatursendungen – „lesen!” im ZDF und jetzt im Internet (unter www.litcolony.de) – empfiehlt Elke Heidenreich immer bestimmte Bücher, weil sie ihr gefallen haben. Gibt es ein Musikstück, das sie jungen Menschen besonders empfehlen würde? „Nein, das muß jeder selbst für sich entdecken. Ich würde dazu raten, in die Oper zu gehen, gut vorbereitet und furchtlos. Und Musikvideos sind oft auch sehr gut. Einen bestimmten Komponisten kann ich nicht empfehlen, würde aber wohl nicht mit Wagner beginnen!”
Zum Schluss hat Elke Heidenreich uns noch einen persönlichen Gruß mitgegeben: „Liebe Schüler, die Musik ist ein großes, wunderbares Geschenk. Es gefällt nicht alles, nicht immer, aber manchmal, wenn man ganz glücklich oder ganz traurig ist, dann erreicht plötzlich ein Lied oder eine Melodie unser Herz und macht es weit, und es gibt nichts Schöneres. Man sollte immer dranbleiben! Und zwar an den Büchern und an der Musik. Beides tut einfach gut, und das hat nicht immer nur was mit LERNEN zu tun. Man wird dadurch eine Persönlichkeit. Viel Glück für Euer Leben!
Eure Elke Heidenreich”
Von Wieland Aschinger
Mehr über Elke Heidenreich findet man im Internet zum Beispiel hier:
„lesen!“:
http://litcolony.de/littv
„Edition Elke Heidenreich“:
http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=17126
Verfasst am 13. August 2009 um 2:05 in Interviews
Tags: Instrument, Musiklehrer, Musikschule




